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München mit dem Elektrorad - Kunst und Coolness

12.04.2013

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Im berühmtesten Wirtshaus der Welt werden täglich 10.000 Liter Bier ausgeschenkt. Fotos: Christoph Ott, Carolyn Friesl

Aller Anfang ist schwer...
Rosmarie steigt mit einem breiten Lächeln vom Rad, als sie uns erblickt: „Na, ich wusste doch, dass ich mir um Euch keine Sorgen machen muss!“ Wir hatten sie schon von Weitem erkannt mit ihrer roten Kappe. Seit 30 Jahren ist sie Reiseführerin. Die Ruhe der Erfahrung ist ihr anzumerken. Erleichtert reihen wir uns wieder in die Gruppe ein, die wir kurz zuvor im weitläufigen Englischen Garten verloren hatten. Glücklicherweise hatte unsere Stadtführerin die nächste Station der „Münchner Highlights-Tour“ schon vorab angekündigt: Die Brücke am Eisbach. Dort, wo Münchens Surfer trainieren.

Um Orte wie diesen zu entdecken, hatte ich mich entschlossen, eine Stadttour zu unternehmen. Nicht irgendeine Stadttour. Nein, eine geführte Radtour durch München sollte es seinmit elektrischem Rückenwind.
Eine solche zu finden, war nicht einfach. Kein einziger Anbieter hat reine E-Bike-Touren im Programm. Da hat München Nachholbedarf! Schließlich finde ich zumindest zwei Anbieter mit geführten Radtouren und gleichzeitigem Elektrorad-Verleih. Ich entscheide mich für „Spurwechsel“. Nach eigenen Angaben ist es einer der ersten deutschen Anbieter von Zweirad-Stadtrundfahrten. Christian Dechant, Gründer und Geschäftsführer, bestätigt mir, dass ich die „Highlights-Tour“ auch mit einem Elektrorad bestreiten könne.

Am Tag, an dem ich meine Tour beginne, zeigt sich München von seiner besten Seite. Ich mache mich auf zu „Spurwechsel“, wo ein weißes Hercules-Pedelec wartet, das mich an diesem Tag durch München tragen soll. Mit Frontantrieb und tiefem Einstieg ist das Rad perfekt geeignet für eine Stadtbesichtigung mit vielen Zwischenstopps. Schon auf dem Weg zum Treffpunkt der Tour genieße ich es, mühelos auf den Fahrradwegen neben der Isar entlangzugleiten. Gut gelaunt erreiche ich nach wenigen Minuten den Marienplatz, wo ich bald zwei „Spurwechsel“-Guides entdecke und mich Rosmaries Gruppe anschließe.

Stadt der Gegensätze
Bevor wir uns in den Sattel schwingen, erfahren wir Historisches zum Marienplatz. Rosmarie führt uns danach zügig durch die pulsierende Innenstadt, vorbei am Viktualienmarkt mit seinen bunten Obstständen. Wir biegen ab, weg vom Trubel. Plötzlich finden wir uns am beinahe menschenleeren St.-Jakobs-Platz wieder. Dort steht das Jüdische Zentrum Münchens direkt neben einem katholischen Kloster. Ich bin erstaunt über die so nahe beieinanderliegenden Gegensätze dieser Stadt – und nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Wir lösen uns von der Ruhe vor der ungewöhnlich gestalteten Synagoge und radeln weiter, wieder hinein in die geschäftigen Straßen. Nach dem Halt am unvermeidlichen Hofbräuhaus, an der Oper sowie der benachbarten Residenz mit ihren eindrucksvollen Renaissancemalereien sind wir eine ganze Weile unterwegs. Der Fahrtwind tut gut, denn trotz elektrischer Unterstützung macht sich die Mittagshitze bemerkbar. Auf einmal öffnet sich der Königsplatz vor uns. Er macht seinem Namen alle Ehre. Majestätisch erheben sich drei tempelähnliche Bauten über den begrünten Platz. Wir halten vor den weißen Säulen der Glyptothek. Rosmarie erklärt uns, wie München zu griechischen Tempeln und Griechenland zu einem bayerischen König kam. Wie Hitler den Königsplatz für sich entdeckte und noch heute die neoklassizistischen Gebäude der Nazis wie Fremdkörper am Rande des prächtigen Platzes in den Himmel ragen. Und wieIronie des Schicksalsausgerechnet die Nazi-Bauten von den Zerstörungen des Krieges verschont blieben.

Kunst für das Volk
München präsentiert sich uns auch als Stadt der Kunst. Die Anzahl der Museen auf unserem Weg ist beeindruckend. Viele wurden einst erbaut von Herrschern, die ihren Untertanen die Kunst näherbringen wollten. Nach dem Halt am sehr modernen Brandhorst-Museum biegen wir ein in die Türkenstraße. Exotische Gerüche dringen aus bunten kleinen Läden in unsere Nasen. Unser Weg führt uns weiter nach Schwabing, einst ein Ort der Künstler. Thomas Mann, Paul Klee, Wassily Kandinsky sind nur einige große Namen derer, die hier lebten und wirkten. Unsere Tour endet im Hofgarten neben der Residenz. Ich bin gefangen in den Eindrücken, die ich in den letzten zwei Stunden gesammelt habe. Im Gedächtnis bleibt der Spruch, den mir Rosmarie noch mit auf den Weg gibt. Ein Zitat des Münchner Humoristen Eugen Roth, ein klein wenig von ihr abgewandelt: „Vom Ernst des Lebens halb verschont / Ist der schon, der in München wohnt. / Und wenn man dann noch Radl fährt / Ist gleich gar nix mehr verkehrt.“

Stadtrundfahrten mit Rad
„Spurwechsel“ bietet die „Münchner Highlights-Tour“ von April bis Oktober jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 11.15 Uhr an. Wer die Stadt mit dem Pedelec besichtigen will, muss sich vorher anmelden und das Rad in der Ohlmüllerstraße, etwa einen Kilometer vom Marienplatz entfernt, abholen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie ganz einfach zu erreichen. Die Ausleihgebühr für ein Pedelec bei „Spurwechsel“ beträgt 29,- Euro, das Rad kann dann den ganzen Tag genutzt werden. Die „Highlights-Tour“ schlägt mit 13,- Euro zu Buche. Weitere Routen wie die „Bier-“ oder die „PolitTour“ sind ebenfalls buchbar.

Fazit: Hält was sie verspricht
Die „Münchner Highlights-Tour“ hält, was sie verspricht: Ob Hofbräuhaus oder Englischer Garten, mit dem Rad sind Sie hautnah dran an den Höhepunkten der Isarmetropole. Was die Tour ausmacht, sind die kleinen Geschichten hinter den bekannten Orten, die nicht im Reiseführer stehen. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit und erkunden Sie München mit dem E-Bike. Eine bessere Art des Sightseeings können wir uns jedenfalls nicht vorstellen.

Treffpunkt: Fischbrunnen am Marienplatz
Termine: Von April bis Oktober jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 11.15 Uhr, Anmeldung empfohlen
Kosten: 13,- Euro (ohne Rad), Pedelec-Tagesmiete: 29,- Euro
Infos: Spurwechsel München, Ohlmüllerstr. 5, 81541 München
Telefon: 089/692 46 99, E-Mail: info@spurwechsel-muenchen.de, Internet: www.spurwechsel-muenchen.de

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